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Timeline der Algorithmus-Etymologie

Die nachfolgende Tabelle listet über 100 Quellen von der Antike bis zur Neuzeit auf. Für nahezu jede Quelle existieren Zusammenfassungen und Links zu den Originalen. Sie ergibt ein in sich geschlossenes Gesamtbild, das die Ergebnisse der van-Helsing-Studie zur Etymologie des Algorithmus umfassend unterstützt.

Die Tabelle belegt im Detail, weshalb die bisherige etymologische Herleitung des Begriffs Algorithmus als spekulative Rückprojektion des 19. Jahrhunderts zu bewerten ist. Die wesentlichen Probleme liegen in der Tatsache, dass für eine belastbare These das allgemeine juristische Beweisprinzip des Beibringungsgrundsatzes gilt: Danach müssen Vermutungen und Spekulationen gekennzeichnet werden. Erfolgen keine Belege, kann dies nicht als belastbarer Beleg gewertet werden.

Vorab eine Auswahl der Ergebnisse:

  • Das Narrativ entstand 1845 durch eine Vermutung von Reinaud. Er verwies auf ein astrologisches Buch von Hellert aus dem Jahr 1548. Bereits 1877 wies Wüstenfeld darauf hin, dass das gesamte Buch, auf das sich Reinaud bezog, keine arabischen oder indischen Gelehrten erwähnt.
  • Nicht einmal ein ähnlich wie Algorismus oder Alchoarizam klingendes Wort wird dort erwähnt. Wüstenfelds Entdeckung ist nachweislich korrekt, weshalb sich die Vermutung von Reinaud kaum auf al-Hwarizmi beziehen konnte. Schon die „Stunde Null“ des Eponyms wirft somit erhebliche Fragen auf.
  • Es gibt zudem bis heute keinen Nachweis, dass al-Hwarizmi ein Buch über die Arithmetik verfaßt hat. Seine Algebra paßt auch nicht zum Dixit Algorizmi, da dort das Prinzip der Wurzel (Radix) nicht mit seiner Lehre übereinstimmt. Nachweisbar ist bis heute nur eins der zwei im Dixit Algorizmi genannten Bücher.
  • Schließlich gibt es keinen Beleg, dass das Oxford-Manuskript des Dixit Algorizmi (nachweislich 13. Jahrhundert oder jünger) die Abschrift eines älteren lateinischen Originals ist. Das Alter des Buches wird zwar auf das 12. Jahrhundert vermutet, weil man die Ersteller in der Zeit der Übersetzerschule von Toledo vermutet. Dafür gibt es aber keinerlei Beleg.
  • Umgekehrt existiert mit Ibn al Yasimin ein westarabischer Gelehrter, der zwei der im Dixit Algorizmi erwähnten Bücher nachweislich geschrieben hat, als auch die Einheit (Wurzel/Radix) exakt so beschreibt, wie im Dixit Algorizmi erwähnt und auch die Verwendung des Dust Boards schlüssig erklärt.
  • Alle weitere Widersprüche der Eponym-These wie die negative Bewertung des Algorismus durch Fibonacci und die Nennung der Kunst als „Algho“ durch Jacopo und die Abaco-Schule von Florenz aus dem Jahr 1307 werden so, wie nachfolgend chronologisch dargestellt, nahezu vollständig aufgelöst.
  • Die von der Real Academia Española (RAE) favorisierte al-ghubar-These, wonach sich der Begriff Algorithmus aus dem westarabischen Staubrechnen ableitet (Alguaritmo/Alchoarismus), kann sich auf eine Vielzahl von Belegen stützen und kommt ohne die Behauptung aus, das gesamte Mittelalter habe die auf al-Hwarizmi bezogene Herkunft des Begriffs „vergessen“.
  • Am Wichtigsten: Die al-ghubar-These wurde gar nicht von der RAE begründet. Es war Enrico Narducci, der Sekretär Baldessare Boncompagnis, der sie bereits im 19. Jahrhundert erstmals veröffentlichte – und Narducci war niemand Geringeres als der Sekretär von Baldessare Boncompagni: Jener Person, der bis heute (fälschlich) in vielen Veröffentlichungen unterstellt wird, sie habe das Eponym begründet.

Die Timeline belegt insgesamt, dass die Etymologie des Begriffs kein „Big Bang“, sondern ein evolutionärer Prozess mit vielen Einflüssen gewesen ist. Die Übersicht zeigt, dass die arabischen Einflüsse nach wie vor sehr groß gewesen sind. Hinzu kommen aber auch Einflüsse aus Indien und Europa, so dass der Begriff des Algorithmus auf eine einzigartige interkulturelle Herkunft verweist, bei der viele Akteure zusammengewirkt haben.

 

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